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„Bücher der Straße“

Von BERND F. HOFFMANN, 02.02.10, 11:20h

Der Begriff „Road-Movie“ ist durch Filme wie „Paris Texas“, „Easy Rider“ oder „Convoy“ nicht nur Cineasten ein Begriff. Doch bei einem…

Der Begriff „Road-Movie“ ist durch Filme wie „Paris Texas“, „Easy Rider“ oder „Convoy“ nicht nur Cineasten ein Begriff.

Doch bei einem „Road-Book“ dürften selbst die Literaturwissenschaftler ins Grübeln geraten.

Dabei müssten sie nur bei Rolf Bellartz nachfragen – der 52-jährige Rösrather schreibt nämlich welche. „In meinen Büchern geht es um Menschen, die unterwegs sind – ,on the road eben“, erklärt Rolf Bellartz. „Sechs, sieben, acht“ heißt das neueste Werk des in Hoffnungsthal lebenden Autors. Das rund 600 Seiten starke Werk handelt von einer vergnüglich-chaotischen Busreise durch den Westen der USA.

Mit von der Partie ist neben dem Vorsitzenden des Wandervereins „Flinke Füße“ unter anderem auch der Lehrer Jan. Ein typischer Protagonist in den Romanen von Bellartz. Denn es sind immer Menschen aus dem näheren Bekanntenkreis, die ihn zu seinen Romanen inspirieren. Wie im aktuellen Roman ein befreundeter Lehrer, den Bellartz zwecks Verwendung natürlich vorher um Erlaubnis fragte.

Aber nicht nur Bekannte, auch die engsten Verwandten verarbeitete Bellartz schon in seinen Büchern. Sein erstes selbst gedrucktes Werk „Die Kasper sind überall“ handelt vom eigenen Vater. „Mein Vater hat bei vielen Gelegenheiten oft unfreiwillig eine komische Figur abgegeben, woraus viele Geschichten entstanden sind“, erklärt Bellartz. Zum Schreiben wurde er aber nicht vom Vater animiert. Dieses Verdienst gebührt vielmehr, so Bellartz, einem „jungen progressiven Lehrer“ an der Refrather Volksschule.

„Dieser Lehrer hat damals das kreative Schreiben gefördert, indem er uns einen Handlungskern vorgab, um den wir dann Geschichten erfunden haben“, erzählt Bellartz.

Zudem war Bellartz mit einem gewissen Ferdinand Linzenich befreundet, mit dem er damals regelmäßig selbst geschriebene Sketche aufführte und außerdem um die Wette vorlas. Das fröhliche Schriftstellerleben endete abrupt, als der junge Rolf auf ein Bensberger Gymnasium wechselte.

„Dort unterrichteten fast nur ältliche Fräuleins, die zu mir meinten, ich solle nicht schreiben, sondern erstmal ein ordentlicher Mensch werden“, erinnert er sich.

Und auch der damalige Deutschlehrer erteilte den schriftstellerischen Ambitionen eine Abfuhr. Unter einer Deutschklausur vermerkte er damals: „So darf Thomas Mann schreiben, aber nicht Du.“ Heute kann Bellartz über dieses Urteil lachen: „Ich habe eben schon immer ein Vorliebe für verschachtelte Sätze gehabt.“

Bellartz studierte nach dem Abitur erst mal brav auf Lehramt. Erst 1995 flammte die alte Liebe für die Schriftstellerei wieder auf. Während eines verregneten Kreta-Urlaubes griff er zu Papier und Bleistift. Die Storys sammelten sich an und nach den ersten Kurzgeschichten stellte Bellartz mit „Die Straße kannte die Antwort“ den ersten Roman fertig. Dieses Buch erschien im eigens gegründeten „Quadratkreis-Autorenverlag“.

Doch das Brot des Kleinverlegers ist mitunter ein hartes: „Die Buchhandlungen lehnen meine Bücher häufig ab, weil sie angeblich nicht in das Programm passen. Mehr Erfolg habe ich bei Schreibwarengeschäften oder Postfilialen.“

Dennoch wird Bellartz auch künftig thematisch bei seinen „Büchern der Straße“ bleiben, ein Krimi wird von ihm wohl nicht erscheinen.

„Man sollte immer über das schreiben, womit man sich auskennt, und ich bin schließlich kein Polizist oder Privatdetektiv“, blickt der Rösrather auf den Inhalt seiner Werke.